Teufelchen
Von Tag zu Tag wurde es schlimmer, es wurde mir zum Glück sehr schnell bewusst, dass ich krank bin und dringend Hilfe brauchte. Ich habe meinem Freund davon erzählt, aber er wusste mir nicht zu helfen, ich habe mich also erst einmal alleine wieder aufgerappelt. Gegen die Bulimie gekämpft. Ich habe es zeitweise geschafft, mich unter Kontrolle zu halten. Bis ich mich von meinem Freund getrennt habe. (Das war mit 16 1/4)
Dann ging alles wieder von vorne los. Ich bin wieder tiefer in den Teufelskreis reingerutscht, habe wochenlang mit der Angst gelebt früher oder später entdeckt zu werden. Meine Eltern wissen bis heute nichts davon. Jedes mal nach dem Essen heimlich auf Toilette gehen, nur nicht entdeckt werden, das wäre das Aus, dann käme bestimmt eine Therapie. Das wollte ich auf gar keinen Fall, ich wollte mich selber dem Bann entziehen.
Ich habe mich meiner besten Freundin anvertraut, und sie hat mir geholfen, hat mit mir darüber gesprochen, und mir Mut gemacht, einfach, indem sie zugehört hat. Nach und nach wurde es wieder besser, bis heute (17 1/2). Es war ein harter Kampf und er ist auch heute noch nicht einfach, denn die Gefahr, dass man rückfällig wird besteht meiner Meinung nach immer, aber ich weiß, dass ich dieser Gefahr nicht erliegen darf. Ich habe einige Freunde gefunden, mit denen ich über mein Problem sprechen kann und die ganz geduldig zuhören und nachfragen. Das hilft wahnsinnig viel. Ich bin sehr glücklich, dass ich es geschafft habe, dem Teufelskreis zu entkommen und nun ein "normales" Leben führen zu können, das nicht davon bestimmt ist, zu überlegen, wann sich die nächstbeste Möglichkeit ergibt, um sich voll zu stopfen und danach alles wieder zu erbrechen.
Wer immer diesen Bericht liest: Versucht, euch vor anderen zu öffnen und (gemeinsam) nach einer Ursache zu suchen. Es hilft wirklich, darüber mit guten Freunden oder mit der Familie zu sprechen. Ich hoffe, ich konnte euch mit diesem Bericht ein klein wenig helfen. Nehmt ihn euch bitte zu Herzen, denn ich weiß wie schlimm es ist, durch die Hölle zu gehen.


