Marion B.
28 Jahre, 165cm, Anfang: 155kg, jetzt: 151,4kg
Ich kam als essgestörte und depressive Panikpatientin hier in diese Klinik. Mittlerweile sind 8 Wochen vergangen und ich habe schon sehr viel erfahren. So z.B. das Konzept der Anti-Diät. Für mich war das erst mal eine ganz neue Erfahrung und mir stellte sich die Frage: "Wie kann ich abnehmen ohne eine Diät zu machen?" Gut, Sport wird hier sehr groß geschrieben, d.h. 2x die Woche Walking und Wassergymnastik. 3x die Woche Hockergymnastik. Auch die Bewegungstherapie darf nicht fehlen denn da geht es um den psychologischen Teil. Berührungs- und Partnerübungen sind da das Thema.
Nun aber wieder zurück zur Anti-Diät. Was bedeutet überhaupt Anti-Diät ? Die Gesellschaft sowie auch die Medien und andere einflussreiche "Gesellschaften" haben heuer den Drang für das "Schöne". Schön = Schlank, groß, blond, Ausstrahlung.........
Die meisten Zeitschriften, so sehe ich das, vermitteln uns das Bild "...5 kg zuviel und schon nicht mehr akzeptabel......" Und selbst in den Katalogen für Übergrößen haben die Models allerhöchstens Größe 44. - Übergröße eben -.
Auch finden wir in JEDER Zeitschrift mindestens einen "Diätteil", der uns Versprechungen macht, die auf Dauer nicht halten können. Z.B. ...10 kg in 5 Wochen mit der Ananasdiät....", da wird letztendlich nur Wasser verloren und wenn wir wieder normal essen haben wir den berühmten Jo-Jo Effekt.
Auch die klassische "Brigitte-Diät" in denen eine bestimmte Kaloriengrenze bei ausgewogener Nahrungsmittelzusammenstellung vorgegeben wird, hat Nachteile. Denn: Wenn wir weniger essen bedeutet das weniger Energie für den täglichen Ablauf und demnach wird auf die Fettreserven zurückgegriffen. Das heißt viel verlorenes Gewicht - am Anfang. Aber der Körper stellt sich nach einer gewissen Zeit auf die eingeschränkte Ernährung(=weniger Energie) ein, sodass dann der Zeitpunkt gekommen ist an dem das Gewicht still steht, obwohl man weiterhin weniger isst.
Wenn dann die Diät beendet wird und "normal" weitergegessen wird, passiert folgendes: Plötzlich steht mehr Energie zur Verfügung als notwendig - die überschüssige Energie wird als Fettpolster angelegt und das Gewicht steigt langsam aber stetig wieder an. Gefahr: Jo-Jo Effekt.
Ich habe daraus gelernt meine Ernährung umzustellen, d.h. weniger Fett bei gleicher Kalorienmenge. 3 Mahlzeiten am Tag ! Und sollte ich mal Lust auf was Süßes haben, dann werde ich mir dieses auch ohne schlechtes Gewissen oder einsparen am nächsten Tag gönnen.
Ziele der Anti-Diät Gruppe sind:
- Ausgewogene Ernährung (weniger Fett und Salz, mehr Kohlenhydrate)
- Fressanfälle einschränken
- Hunger und Sättigung wieder spüren lernen
- Bewusst essen: Unterscheiden lernen wenn ich aus Hunger esse und wann aus anderen Gründen (Ärger, Stress, Langeweile....)
- regelmäßige körperliche Bewegung
- keine Lightprodukte denn die Süßstoffe sind in der Tierindustrie "Mastmittel"
Vor den Mahlzeiten müssen wir uns erst tischweise zusammensetzen und "blitzen". Das heißt jeder einzelne sagt wie viel % Hunger er hat, wie viel % er von seiner Portion isst und wie es ihm/ ihr im Moment geht. Die Worte gut/ schlecht gelten nicht.
Das Ziel dieses "Blitzens" ist das man sich über seine momentane Gemütslage bewusst wird und so einem evtl. aufkommenden Fressanfall vorbeugen kann.
Schmeckt mir nicht, gibt's nicht. Jedes Nahrungsmittel sollte mind. 3x probiert werden. Auch ein Nachschlag darf verlangt werden.
Es gibt keine kalorienreduzierte Kost !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Es geht einfach darum wieder zu schmecken und sich mit dem Essen auseinander zu setzen. Das Essen als Nahrung zu sehen und nicht als Ersatzbefriedigung o.ä.
Ich hoffe das Ihr einen kleinen Einblick bekommen habt und sollten Fragen da sein so meldet euch unter: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt, Du musst JavaScript aktivieren, damit Du sie sehen kannst.
Kleiner Buchtipp: Anti-Diät von Susy Orbach über die Psychologie der Fettleibigkeit und des Übergewichts.


